Vorwort zum Buch von
Silke Krüger
Stampflehm -Renaissance einer alten Technik
Am Anfang ist es krümelige, feuchte
Erde. Gezwängt in Schalungen, gepresst mit Stampfwerkzeugen und
-geräten entstehen am Ende schwere, monolithisch wirkende Bauteile.
Wir sprechen von der Urform des Bauens mit Lehm, vom Stampflehmbau, auch
"rammed earth" genannt
oder franzö-sisch "pisé', "tapial" im
Spanischen und "terra battuta" auf italienisch. In der Antike bauten die
Ägypter mit dem Material. In Europa, in Afrika und im Mittleren Osten
bauten die Römer und später die Moslems mit dem Baustoff. In Asien
verwendeten ihn die Indus-Völker, die buddhistischen Mönche oder die
chinesischen Kaiser, die Indianer im Süden Nordamerikas, die Toltken und
Azteken in Mexiko und die Mochica in den Anden.
Die Stampflehmbaumeister
der Neuzeit hießen Francois Cointereaux, David Gilly oder Wilhelm Jacob
Wimpf. Zeugnisse ihres Wirkens finden wir in Südfrankreich, in Deutschland
und in anderen europäischen Ländern.
Die Aufsätze
Cointereaux's erschienen 1790 unter dem Titel "Ecole d'architecture rurale".
Die schon 1793 erschienene deutsche Übersetzung nannte sich "Schule der
Landbaukunst oder Unterricht, durch welchen jeder die Kunst erlernen kann,
Häuser von etlichen Geschossen aus bloßem Erd- oder anderem sehr
gemeinen und höchst wohlfeilen Baustoff selbst dauerhaft zu erbauen".
Vertreter des heutigen, modernen Stampflehmbaus ist der Amerikaner
David Easton, der vor allem im heißen Süden der USA hervorragend
temperierte Häuser baut. Nicolas Meunier aus Frankreich oder der
Österreicher Martin Rauch, der im deutschsprachigen Raum eine Vielzahl von
Projekten mit unterschiedlichen Nutzungen realisiert hat.
Besonders
sein Stampflehmbau der "Kapelle der Versöhnung" in Berlin hat in
Deutschland diese Bauweise wieder bekannter gemacht. Sie ist
Bestandteil des Regelwerkes "Lehmbau Regeln" und damit
in den meisten
Bundesländern auch bauaufsichtlich als anerkannte Bauart der Gegenwart
eingeführt.
Im modernen Lehmbau finden wir in der
ästhetischen und architektonischen Ausdruckskraft der oft archaisch
anmutenden Stampflehmbauteile, neben den sehr guten raumklimatischen Effekten,
einen weiteren Grund für die Wiederbelebung dieser alten Bautechnik. Die
unterschiedlich (erd)farbige Struktur des Materials bleibt sichtbar und die
Wand kann im noch plastischen Zustand auf der Oberfläche
(künstlerisch) bearbeitet werden.
Die Nachfrage nach
Stampflehmbauteilen hat in den letzten Jahren in Deutschland stetig zugenommen.
Heutige Planungen erfolgen oft als Synthese von konventionellen Baustoffen wie
Stahl, Glas oder Beton mit dem Erdmaterial.
Silke Krügers Buch
über den Baustoff ist Ausdruck dieses in den letzten Jahren gewachsenen
Interesses am Stampflehmbau. Sie hat während der Recherchen für ihre
Diplomarbeit eine immer größer werdende Begeisterung für diese
alte Bauweise entwickelt. Mit viel Akribie und aktueller Recherche,
ist aus
dieser Diplomarbeit ein Buch entstanden, das den Stampflehmbau mit Sicherheit
bekannter macht, so dass er irgendwann einmal zu dem wird, was er ja eigentlich
sein soll, ein ganz normaler Baustoff.
Jörg Depta
Stampflehm Renaissance einer alten
Technik Krüger, Silke
Preis Euro 34,80 incl. Versand
ISBN
3-9807245-1-4
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